
ELSTER ist gratis und erklärt nichts. Eine gute Steuer-App kostet ein paar Euro im Jahr und erklärt fast alles, was ELSTER verschweigt. Genau zwischen diesen beiden Polen bewegt sich meine Steuererklärung als Arbeitnehmerin seit drei Jahren, und dieser Eintrag ist mein direkter Vergleich zwischen Elster Online und den Apps, die ich hier in Hannover seitdem ausprobiert habe.
Angefangen hat alles mit einem Bescheid, den ich zweimal nachgelesen habe, weil ich der Zahl auf dem Bildschirm nicht traute: eine überraschend hohe Erstattung, mehr als ich je erwartet hätte. Seitdem arbeite ich weiter als Sachbearbeiterin bei einer Versicherung, nur meine Steuererklärung mache ich inzwischen selbst, und dieser Blog hier enthält Affiliate-Links zu den Apps und Kursen, die ich dabei getestet habe. Kaufst du über einen der Links, bekomme ich eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts. Was hier steht, ist keine Steuerberatung, sondern das, was ich als Laiin für mich herausgefunden habe.
Elster Online: gratis, aber stumm bei den Details
Elster fragt viele Zahlen ab, aber es kommentiert keine. Es prüft, ob die Eingaben formal stimmen, sagt jedoch nie: du hast deine Kontoführungsgebühren vergessen, oder: diese Position lohnt sich für dich nicht. Wer weiß, wonach er sucht, kommt damit gut durch. Wer es zum ersten oder zweiten Mal macht, sitzt oft lange vor einem leeren Feld und rätselt, was genau hineingehört.

Genau hier liegt der Unterschied zu einer kommerziellen App: Die Benutzerführung nimmt einem die Rätselei ab und schlägt von sich aus vor, wo noch etwas fehlt. Das kostet ein paar Euro im Jahr, spart aber oft mehr Zeit, als die Gebühr wert ist. Wenn eine App mir an einem Abend zwei Stunden Grübelei erspart, ist mir das die Ausgabe meistens wert.
Werbungskosten und Homeoffice-Pauschale im direkten Vergleich
Bei den Werbungskosten wird der Unterschied am deutlichsten. Elster lässt einen selbst herausfinden, in welche Zeile eine Fortbildung oder ein Arbeitsmittel gehört. Der Jahresbegleiter "Steuern sparen für Arbeitnehmer" dagegen fragt gezielt nach solchen Posten und ordnet sie automatisch zu. Das Tool ist seit sieben Jahren auf dem Markt, und genau das merkt man: Es ist ganz auf normale Lohnsteuerpflichtige zugeschnitten, ohne Ballast für Vermieter oder Leute mit Auslandsgeschäften.
Wie die Homeoffice-Pauschale in der Steuererklärung landet, erkläre ich an anderer Stelle ausführlicher, hier reicht der Hinweis, dass beide Wege sie am Ende erfassen, nur eben mit unterschiedlich viel Nachfragen. Was viele unterschätzen, sind die Versicherungen: Wer sich fragt, wie man Versicherungen bei Elster einträgt, findet dort die Details, die ich hier nur kurz anreiße. Sonderausgaben wie diese sind ein eigenes Kapitel, das eine App höchstens anstupst, aber nicht für dich ausfüllt.

Wie gut erkennt eine App Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen?
Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen sind die Kategorie, bei der ich mich am meisten auf fremde Hilfe verlasse. Beide Begriffe klingen sperrig, und ich dröseln sie hier nicht im Detail auf, das würde den Rahmen sprengen. Für mich zählt vor allem: Merkt die App oder das Programm, dass ich überhaupt in diese Kategorie fallen könnte, oder übersehe ich es einfach, weil ich nicht danach gesucht habe?
Genau bei dieser Art von blinden Flecken hat mir der Steuer-AhA-Effekt Videokurs geholfen, obwohl er eigentlich für alles gedacht ist, was tiefer geht als der Alltag eines Angestellten. Er kostet spürbar mehr als eine einfache App, dafür behandelt er Themen, die selbst beim Lohnsteuerhilfeverein manchmal untergehen. Wer nur wissen will, wo welches Kreuz hingehört, braucht ihn nicht. Wer verstehen will, warum eine Ausgabe überhaupt absetzbar ist, findet dort mehr als anderswo.
Mein Nachbar Franz, der mir beim allerersten Elster-Login am Telefon Schritt für Schritt geholfen hat, ohne mir die Arbeit abzunehmen, redet über solche Themen eigentlich nur, wenn man ihn direkt danach fragt. Fortbildungskosten fielen bei mir lange in dieselbe Grauzone, wie viel davon ansetzbar ist, habe ich erst richtig verstanden, nachdem ich meinen Eintrag zu Fortbildungskosten absetzen selbst noch einmal durchgearbeitet hatte.
Belege sammeln, Fristen im Blick behalten
Belege sind der Teil, den keine App komplett für dich erledigt. Eine kleine Checkliste, welche Quittungen und Bescheinigungen Jahr für Jahr wiederkehren, hilft mehr als jedes Programm, das System dahinter beschreibe ich an anderer Stelle genauer. Was eine App wirklich bringt, ist die Erinnerung, rechtzeitig zu sammeln, statt im Herbst alles auf einmal zusammenzusuchen.
Fristen waren bei mir früher das größere Problem als fehlende Belege. Jahrelang dachte ich, wenn der Frühling vorbei ist, sei es ohnehin zu spät, und habe die Erklärung deswegen gleich ganz gelassen. Dabei stimmt das so pauschal nicht, die genauen Regeln dazu gehören in einen eigenen Eintrag, aber allein das Wissen, dass ich nicht automatisch draußen bin, hätte mir früher einiges an schlechtem Gewissen erspart.

Haushaltsnahe Dienstleistungen und die vorausgefüllte Erklärung: Wo Bequemlichkeit ihren Preis hat
Handwerkerrechnungen und andere haushaltsnahe Dienstleistungen sind noch mal ein eigenes Feld, das ich hier nur anreiße, wie viel davon wirklich zurückkommt, rechne ich an anderer Stelle im Detail vor. Was den Vergleich zwischen Elster und App aber greifbar macht, ist die vorausgefüllte Erklärung: Beide Wege greifen inzwischen auf dieselbe Schnittstelle zum Belegabruf zurück, nur zeigen Apps die Daten oft übersichtlicher an. Genau an diesem Punkt muss man abwägen, ob einem diese Übersichtlichkeit die Jahresgebühr wert ist oder ob das nackte Elster-Formular reicht.
Mein Vereinskollege Harald war erst skeptisch, ob sich der Umweg über eine App überhaupt lohnt, nachdem er von meiner Erstattung gelesen hatte. Nach einer Woche zögern hat er es doch ausprobiert und war überrascht, wie viel die vorausgefüllten Felder ihm an Sucherei abgenommen haben. Ob sich das für jeden lohnt, hängt aber stark davon ab, wie viele unterschiedliche Posten man überhaupt hat.
Für wen reicht Elster, und wann lohnt sich eine App?
Wer nur Lohn, ein bisschen Werbungskosten und vielleicht eine Spende hat, kommt mit reinem Elster meistens gut zurecht, geduldig ausfüllen, zweimal prüfen, fertig. Sobald aber mehrere Kategorien zusammenkommen, Fortbildungen, Homeoffice, vielleicht noch außergewöhnliche Belastungen, wird die App zur Zeitersparnis, die sich für mich immer wieder ausgezahlt hat.
Für den schnellen Einstieg würde ich heute wieder zum Jahresbegleiter greifen, er bleibt beim Wesentlichen und lässt sich zügig durcharbeiten. Wer tiefer einsteigen und wirklich verstehen will, warum eine Ausgabe zählt und eine andere nicht, ist beim AhA-Effekt Kurs besser aufgehoben, auch wenn Preis und Zeitaufwand spürbar höher liegen. Ich fühle mich mit dieser Kombination inzwischen nicht mehr wie vor einem Behördenformular, sondern wie jemand, die genau weiß, wonach sie sucht, und das ist für mich fast mehr wert als die Erstattung selbst.