
Sechs Euro pro Tag, so schlicht sieht die Homeoffice-Pauschale 2023 zunächst aus. Daneben steht bei fast jedem Arbeitnehmer die zweite Größe der Steuererklärung: die Fahrtkosten für die Tage im Büro. Beide landen am Ende in derselben Anlage N bei Elster, und beide klingen nach wenig Geld. Der springende Punkt, den ich lange übersehen habe: Ein Arbeitstag gehört immer nur in eine der beiden Spalten — entweder Homeoffice oder Fahrt, nie in beide. Wer weiß, welcher Tag wohin gehört, holt am meisten heraus.
Sechs Euro Pauschale oder Entfernungspauschale — was bringt pro Tag mehr?
Rechnen wir es nüchtern durch. Für jeden Tag, an dem ausschließlich zu Hause gearbeitet wird, gibt es 6 Euro — und zwar für höchstens 210 Tage im Jahr, also maximal 1.260 Euro. Ein Bürotag dagegen zählt über die Entfernungspauschale: 0,30 Euro je Entfernungskilometer für die ersten 20 Kilometer, ab dem 21. Kilometer sind es 0,35 Euro. Gemeint ist immer die einfache Strecke, nicht Hin- und Rückweg zusammen.
Damit lässt sich der Vergleich auf einen einzigen Punkt zuspitzen: Bei 20 Kilometern einfacher Strecke bringt ein Bürotag genau 6 Euro (20 mal 0,30 Euro) — exakt so viel wie ein Homeoffice-Tag. Wer näher an der Arbeit wohnt, für den ist der Tag zu Hause die bessere Zeile; wer weiter fährt, sammelt mit dem Bürotag mehr. Bei 30 Kilometern zum Beispiel sind es schon 9,50 Euro pro Fahrt: 6 Euro für die ersten 20 Kilometer plus 3,50 Euro für die restlichen zehn zu je 0,35 Euro.

Was die Homeoffice-Pauschale 2023 wirklich abdeckt
Die Pauschale ist bewusst einfach gehalten. Sie gilt für jeden Arbeitstag, der komplett in den eigenen vier Wänden stattgefunden hat — ganz ohne separates, abgeschlossenes Arbeitszimmer. Genau da hatte ich anfangs einen Denkfehler: dass ohne eigenes Arbeitszimmer steuerlich gar nichts ginge. Das hätte ich gerne früher gewusst, denn für die 6-Euro-Pauschale stimmt es nicht. Ein fester Bürostuhl ist keine Bedingung, der Platz am Küchentisch genügt, und einen Grundriss muss niemand beilegen.
Eingetragen wird das Ganze in der Anlage N, dort bei den Werbungskosten unter den Aufwendungen für die Tätigkeit in der häuslichen Wohnung. Die Homeoffice-Pauschale ist also nur eine von mehreren Werbungskosten — sie steht in derselben Familie wie Arbeitsmittel oder Fachliteratur, die aber ihr eigenes Kapitel haben. Wichtig ist das saubere Zählen: Wer 210 Tage zu Hause war, landet beim Höchstbetrag von 1.260 Euro, jeder Tag darüber bringt nichts mehr.
Wenn sich die Fahrt zur Arbeit mehr lohnt als der Küchentisch
Auf der anderen Seite steht die Entfernungspauschale, im Alltag Pendlerpauschale genannt. Sie zählt die Strecke zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte, aber nur die einfache Entfernung, nicht Hin- und Rückweg zusammen. Diesen Punkt bringen viele durcheinander und verschenken damit die Hälfte oder rechnen sich zu reich.
Eine Freundin, die im Atelier Südstadt Keramikkurse macht, hat mich an einem Stand in der Markthalle Hannover genau danach gefragt: ob sie ihre Fahrt hin und zurück ansetzen darf. Darf sie nicht — gezählt wird nur der Weg in eine Richtung, dafür an jedem Tag, an dem sie wirklich ins Büro gefahren ist.
Der ganze Vergleich steht und fällt mit dem Zählen. Über das Jahr führe ich deshalb eine schlichte Liste: pro Arbeitstag ein Kürzel, H für Homeoffice, B für Büro. Ziehe ich am Jahresende die Schublade mit den Quittungen auf, steigt mir dieser leicht muffige Papiergeruch entgegen, der nach zu langem Aufschieben riecht. Das erinnert mich daran, warum ich lieber laufend mitschreibe. An anderer Stelle habe ich notiert, welche Belege für die Steuererklärung sammeln sich wirklich lohnt.

Warum nie beide Pauschalen auf denselben Tag fallen
Am kniffligsten wird der geteilte Tag: morgens zu Hause am Rechner, mittags noch ins Büro. Für das Finanzamt bleibt das ein einziger Arbeitstag, und der bekommt nur eine Zeile. Entweder die 6 Euro fürs Homeoffice oder die Entfernungspauschale für die Fahrt, niemals beides zusammen. Ein Pfandbon lässt sich schließlich auch nur an einer Kasse einlösen, nicht an zweien gleichzeitig.
Für mich ist die Faustregel deshalb einfach: War ich an diesem Tag tatsächlich im Büro, trage ich ihn als Fahrt-Tag ein — schon weil die Fahrt bei etwas weiterem Arbeitsweg meist mehr bringt als die 6 Euro. Reine Bürotage sind ohnehin klar Fahrt-Tage, reine Heimtage klar Homeoffice-Tage. Kompliziert sind nur die Mischtage, und die sortiere ich nach dem, was an dem Tag wirklich passiert ist.
So landen die Tage richtig bei Elster
Bei Elster selbst ist der Rest Fleißarbeit. Die Summe der Homeoffice-Tage kommt in die dafür vorgesehene Zeile der Anlage N, die Fahrt-Tage mit Kilometern und Arbeitstagen in die Zeilen zur Entfernungspauschale. Das Programm rechnet den Betrag von allein. Ein Grundbetrag wird jedem Arbeitnehmer ohnehin automatisch abgezogen; erst was zusammen darüber liegt, senkt am Ende die Steuer, weshalb sorgfältiges Zählen doppelt lohnt. Und weil das alles seine Zeit braucht, fange ich früh an, bevor die Frist für die Steuererklärung 2023 näher rückt.
Was in andere Zeilen gehört
Nicht alles, was mit dem Job zu tun hat, gehört in dieselben Spalten. Ein neuer Bürostuhl oder ein Laptop sind zwar auch Werbungskosten, laufen aber über die Arbeitsmittel und damit an anderer Stelle. Spenden oder bestimmte Mitgliedsbeiträge wiederum zählen gar nicht als Werbungskosten, sondern als Sonderausgaben in einem eigenen Abschnitt. Und an anderer Stelle habe ich notiert, welche Beiträge Arbeitnehmer bei Elster angeben können — auch die gehören ins Bild, nur nicht in diese beiden Zeilen. Wer das früh trennt, spart sich später das Suchen.
Mein Fazit: näher dran oder weiter weg
Der Vergleich läuft am Ende auf einen Satz hinaus: Wer kurze Wege hat, fährt mit möglichst vielen sauber gezählten Homeoffice-Tagen am besten; wer weiter zur Arbeit pendelt, holt an den Bürotagen über die Entfernungspauschale mehr heraus. Beides an einem Tag gibt es nicht — die Kunst besteht nur darin, jeden Tag in die richtige Spalte zu setzen.
Einmal habe ich für so eine Erklärung einen Steuerberater bezahlt, der am Ende kaum mehr herausholte, als sein Honorar kostete. Für reine Homeoffice- und Fahrttage braucht es das oft gar nicht, ein Kalender und etwas Geduld reichen. Als der Bescheid dann kam, riss ich den Umschlag noch im Flur auf und las die Summe dreimal, bis ich ihr traute. Bei wirklich kniffligen Dingen — doppelter Haushaltsführung, hohen Fortbildungskosten — hole ich mir trotzdem Rat, etwa beim Lohnsteuerhilfeverein. Für diese zwei Pauschalen aber gilt: einmal verstanden, jedes Jahr leichter.